Handfeste Sauberkeit: Haarseife versus Shampoo Bars

Ob Haarseife oder festes Shampoo, handfeste Tatsachen liegen bei der Körperpflege im Trend. Sie sind umweltfreundlich, ergiebig und vielseitig einsetzbar. Vielleicht fragst du dich, ob festes Duschgel und Shampoo dasselbe sind wie Seife. Sind diese Produkte automatisch Naturkosmetik? Und wie verhinderst du, dass dein Haar nach der Wäsche stumpf wirkt? Das erfährst du hier.

 

  Handfeste Sauberkeit: Haarseife versus Shampoo Bars | Five Skincare

Haarseifen und feste Shampoos bieten viele Vorteile

Die Stückseife für Hände, Körper und Haare erlebt ein Comeback – ganz zurecht, wie ich finde. In diesem Beitrag wollen wir uns speziell den Reinigungsprodukten für die Haare widmen und mit den unterschiedlichen Begriffen etwas aufräumen, damit du nach dem Lesen den vollen Durchblick hast.

Wenn du deine Haarpflege umweltfreundlicher und natürlicher gestalten möchtest, bieten Shampoo Bars und Haarseifen einige Vorteile. Sie sparen Verpackungsmaterial und sind sehr ergiebig, weil sie auf Wasser als Zutat verzichten. Ausserdem bleiben keine Produktreste in der Packung zurück, wie das bei Plastikflaschen und Pumpspendern der Fall ist. Du brauchst dir auf Reisen keine Sorgen zu machen, dass dein Shampoo ausläuft, und mal ehrlich: Kommt nicht irgendwie immer die falschen Menge aus der Tube?

Der Unterschied zwischen Haarseife und Shampoo Bars

Auch wenn Haarseife und festes Shampoo eine eher umweltbewusste Zielgruppe ansprechen, steckt deshalb noch lange nicht in jedem Schaumbrocken Natur pur. Auch hier solltest du einen Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe werfen. Und da zeigt sich schon der Unterschied zwischen festem Shampoo und Haarseife. Sie verwenden nämlich grundverschiedene Inhaltsstoffe zur Reinigung. Shampoo Bars nutzen hierfür – genau wie die flüssige Variante – Tenside, während Haarseife tatsächlich Seife ist, die mit pflegenden Ölen angereichert wurde. Das ist wunderbar natürlich, bringt allerdings ein paar Besonderheiten in der Anwendung mit sich.

Haarseife

Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um die gute, alte Seife. Die reinigt gründlich, löst Fett zuverlässig und ist an sich sehr gut biologisch abbaubar. Sie birgt nur einen kleinen Nachteil, denn sie hat grundsätzlich einen pH-Wert von 9 bis 10 – weniger ist bei Seife nicht möglich. Zum Vergleich: der pH-Wert deiner Haut liegt etwa bei 5,5. Damit deine Kopfhaut trotzdem nicht austrocknet, fällt die Rezeptur von Haarseifen extra mild aus. Ihr wird oft Glycerin zugesetzt und sie wird überfettet.

Bei der Herstellung wird das Fett normalerweise vollständig mit Natriumhydroxid verseift. Um Haarseifen eine rückfettende Wirkung und damit mehr Pflege zu verleihen, wird sie überfettet. Dazu wird mehr Öl verwendet, als das Natriumhydroxid verseifen kann. Es gibt verschiedene Überfettungsstufen für unterschiedliche Haartypen. Wenn dein Haar schnell nachfettet, greifst du lieber zu einer niedrigeren Überfettungsstufe (z.B. 6%), bei sehr trockenem Haar darf es hingegen mehr sein (15% bis 25%). Je mehr die Seife überfettet ist, desto weicher und glitschiger wird sie allerdings, das ist nicht jedermanns Sache.

Hier gilt es zunächst etwas herumzuprobieren, um das perfekte Produkt zu finden. Andererseits machen wir das bei Shampoo ja auch. Experten empfehlen ohnehin, immer wieder mal zu wechseln.

Ist Seife denn auch vegan?

Nicht immer. Ob die Seife vegan ist, hängt davon ab, welches Fett als Grundlage dient. Früher wurden Seifen meist mit tierischem Fett oder alten Küchenölen hergestellt – es sollte ja nichts verschwendet werden. Bei herkömmlichen Seifen finden auch heute meist tierische Fette aus dem Schlachthof Verwendung. Sind auf der INCI-Liste zum Beispiel Sodium Tallowate aufgeführt, handelt es sich um verseiftes Rinderfett.

Seife kann aber genauso gut aus Pflanzenölen gewonnen werden. So bestehen Sodium Cocoate aus Kokosöl, Sodium Olivate aus Olivenöl und so weiter. Besonders gut eignet sich übrigens Palmöl (Sodium Palmate), denn es macht die Seifen fest und erzeugt einen schönen Schaum. Wer Palmöl aber wegen des Naturschutzes boykottiert, macht um diesen Inhaltsstoff besser einen Bogen.

☝️ Übrigens wird auch bei Kokosöl wegen der grossen Nachfrage vermehrt auf Monokulturen gesetzt. Was tun? 1. weniger ist mehr: verwende Seife sparsam und bis zum Schluss. Und 2. greife zu Bio-Kokosöl oder Bio-Palmöl, die stammen eher aus Mischkulturen.

Macht Haarseife die Haare stumpf?

Jain. Direkt nach der Wäsche, ja, aber das hat einen simplen Grund und legt sich nach kurzer Zeit. Die schuppige Haaroberfläche stellt sich beim Kontakt mit Wasser auf. Der basische pH-Wert der Seife verstärkt den Effekt noch, weshalb sich das Haar kurz nach der Wäsche rauer oder strohiger anfühlt. Die Schuppenschicht legt sich eigentlich innerhalb weniger Stunden von allein wieder an. Aber so lange magst du vielleicht nicht warten, denn bei hartem Wasser ist der Stroheffekt schon unangenehm. Schneller geht es mit der sauren Rinse. Die sorgt für Glanz und Geschmeidigkeit. Bei hartem Wasser ist sie ein Muss und auch sonst sehr zu empfehlen.

Die saure Rinse

Die saure Rinse gleicht den pH-Wert aus. Die Oberfläche glättet sich augenblicklich und schenkt dem Haar sofort Glanz. Wichtig ist sie vor allem, wenn bei dir zuhause sehr hartes Wasser aus der Leitung fliesst, weil sich sonst Kalkseife bilden kann. Du kennst vielleicht die nervigen, stumpfen Ablagerungen am Waschbecken? Dasselbe kann im Haar passieren. Kalkseife hinterlässt einen weissen Schleier und das Haar fühlt sich pappig an.

Das verhinderst du, indem du deine Haare am Ende der Wäsche mit einer sauren Rinse entkalkst. Und so funktioniert sie:

  •       Man nehme eine 1l Flasche, fülle sie mit Wasser und gebe 2 Esslöffel Apfelessig oder Zitronensaft (riecht angenehmer im Haar) hinzu.
  •       Gut schütteln und ganz zum Schluss über das gewaschene, gründlich ausgespülte (!) Haar giessen.
  •       Haare wie gewohnt trocknen und fertig.

☝️ FAZIT: Haarseifen sind eine super natürliche Art, die Haare zu reinigen, aber etwas für Liebhaber. Die Anwendung zu meistern, kostet nämlich etwas Zeit und Geduld. Ganz wichtig: gut aufschäumen, gründlich ausspülen und die saure Rinse.

Festes Haarshampoo

Festes Shampoo ist im Grunde wie das Flüssigprodukt, nur eben ohne Wasser und meist ohne Konservierungsstoffe (wo kein Wasser ist, muss nicht konserviert werden). Dementsprechend enthält es waschaktive Substanzen, Wirkstoffe wie Weizenprotein und Pflanzenöle, die das Haar geschmeidig oder griffiger machen, ein paar strukturgebende Inhaltsstoffe und meist einen netten Duft. Wenn du bisher flüssiges Shampoo genutzt hast, fällt die Umstellung nicht schwer. Das Haar fühlt sich nach der Wäsche ähnlich an und braucht auch keine Sonderbehandlung. Dabei bietet es alle Vorzüge eines Seifenbrockens: Es ist deutlich ergiebiger als Flüssigshampoo, kann auf Reisen nicht auslaufen und ist gut zu dosieren.  

Gleichzeitig sind Shampoo Bars die pH-neutrale Alternative zu Haarseife. Sie reinigen nämlich nicht mit Seife sondern mit Syndets. Das Wort ist eine Kreation aus synthetic und detergents (Reinigungsmitteln). Hier lassen sich pH-Werte von 5 - 6 erreichen, also extrem nah am natürlichen Wert der Haut dran. Ausserdem geben einige dieser Tenside wunderbaren Schaum, was beim Schamponieren sehr hilfreich ist.

Nicht alle Syndets sind gleich gut

Während man bei Seife wenig falsch machen kann, gibt es bei den Syndets gute und schlechte Lösungen. Zu den Negativbeispielen gehören zum Beispiel Sodium Lauryl Sulfate 👎 und Sodium Laureth Sulfate 👎, die aus Erdöl hergestellt werden. Diese Kandidaten sind stark reizend, austrocknend, schwer biologisch abbaubar und fördern Allergien.

Setze stattdessen lieber auf naturkosmetische Shampoo Bars, da sind Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis tabu. Naturkosmetik verwendet stattdessen Tenside auf Zucker- oder Kokosbasis. Diese Glucoside oder Coco-Glucoside sind in der Regel sehr gut verträglich und biologisch abbaubar. Auch fluffiger Schaum und hohe Reinigungskraft gehören zu den Vorzügen dieser Syndets auf Pflanzenbasis. Doch auch das ist ein weites Feld: Manche Tenside reinigen besonders effektiv und werden deshalb gerne für Shampoos verwendet. Andere sind besonders verträglich und kommen deshalb vor allem in Gesichts- und Babypflege vor.

☝️ FAZIT: Festes Haarshampoo ist eine klasse Alternative für alle, die genervt davon sind, dass nie die passende Menge Shampoo aus der Tube kommt, Reste zurückbleiben und das Ganze in so viel Plastik verpackt daherkommt. Aber in festem Shampoo steckt nicht automatisch mehr Natur! Greife hier bewusst zu naturkosmetischen Produkten, weil sie Syndets auf pflanzlicher Basis enthalten. Die sind besser verträglich für Haar, Haut und Umwelt.  

 

Achte auch bei festem Shampoo auf Naturkosmetik | Five Skincare

Was du bei der Handhabung beachten solltest

Eins vorab: Stückseife ist mindestens genauso hygienisch wie flüssige Produkte aus dem Spender. Vor allem beim Händewaschen in der Küche ist Hygiene natürlich wichtig. Hier brauchst du dir keine Gedanken machen, ob nicht etwa Keime an der Seife hängen bleiben und wieder an die Hände gelangen können. In diese Richtung funktioniert die Übertragung nicht.

Allerdings gibt es ein paar Punkte, mit denen du besonders lange Freude an deinem Seifenstück oder an dienem festen Shampoo hast. Besonders wichtig ist es, den Brocken immer wieder gut trocknen zu lassen. Wenn er im Nassen liegt, wird er matschig und das fühlt sich recht eklig an – wie schlickiger Boden im Badesee. Ausserdem können sich im Seifenmatsch Bakterien sammeln. Eine abtropfbare Seifenschale löst das Problem und sieht auch noch dekorativ aus. Für unterwegs gibt es hübsche Seifendosen aus Metall oder Flüssigholz – das besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und ist kompostierbar.

🌴 Ein Tipp für Reisen in tropisches Klima, denn die hohe Luftfeuchtigkeit erschwert das Trocknen: Nimm statt Döschen ein Seifennetz. Darin kann die Seife gut abtropfen und es lässt sich gut belüftet aussen am Rucksack befestigen.

Wenn du ein Seifensäckchen verwendest, hänge es am besten auf. Diese Lösung finde ich allerdings nur für Duschseife oder festes Shampoo so wirklich gut. Die benutzt man einmal am Tag und dann haben sie reichlich Zeit zum Trocknen. Händewaschen tut man doch deutlich öfter, da kommt die Verdunstung einfach nicht hinterher.

Haarseife und festes Shampoo – die Umstellung lohnt sich

Wenn dein Shampoo sich jetzt dem Ende zuneigt, warum nicht einfach mal die festen Alternativen ausprobieren. Ich denke, du wirst positiv überrascht sein. Na gut, jetzt muss vielleicht ein neues Seifenschälchen her und die Anwendung funktioniert ein wenig anders, aber langfristig lohnt sich der Wechsel. Die festen Produkte sind super ergiebig, praktisch, leicht zu dosieren und schonen Ressourcen. Doch nicht alle sind gleich natürlich. Achte beim Kauf deshalb auf hochwertige Pflanzenöle und schonende Tenside.

High Five
Deine Anna

Unsere Naturkosmetik

«Keine Creme sollte mehr Inhaltsstoffe haben, als du an einer Hand abzählen kannst.»

Anna Pfeiffer